
So wird IFC komponentenscharf
Seit Jahren sprechen wir von Planen, Bauen, Betreiben und denken zu Recht, das sei so. In der zeitlichen Abfolge ist die Reihenfolge ja korrekt und lässt sich auf jeder Baustelle problemlos verifizieren. Aber:
Planen, Betreiben
Mit Blick auf Daten ist die Reihenfolge nicht entscheidend, denn nahezu alle für die Betriebsphase relevanten Informationen liegen bereits in der Ausführungsphase vor. Der Baufortschritt interessiert nur insoweit, als Änderungen der Daten zeitnah dem CAFM-System zugänglich sein sollten, am besten natürlich „as built“ und im Open BIM-Sinne im IFC-Format. Und da lauert das Problem.
IFC ist vielerlei
Heute bauen wir bereits viele Gebäude mit der BIM-Methodik und einhergehend damit folgt die Problematik, unterschiedliche IFC-Dateien verbinden zu müssen. Denn BIM ist nicht gleich BIM und IFC ist nicht gleich IFC. Und das hat viele Gründe.
Das macht Basisarbeit innerhalb der Unternehmen zwingend erforderlich. Denn nur in den wenigsten Firmen, die sich mit diesen Pflichten auseinandersetzen müssen, ist die Mehrheit der Mitarbeitenden zum Beispiel mit den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen, den sogenannten Sustainability Development Goals (STGs), vertraut. Sie umfassen nicht nur ökologische, sondern auch soziale und ökonomische Bereiche.

Feingranulierung der Datenqualität
Zum Beispiel stellt sich die Frage von Feingranulierung der Datenqualität, also wie sorgfältig die jeweiligen Gewerke und das BIM-Management ihre jeweiligen Aufgaben wahrnehmen und die Auftraggebenden-Informationsanforderungen, AIA erfüllen. Zwei Fragen spielen hierbei eine zentrale Rolle:
- Werden alle für die Betriebsphase relevanten Attribute in mappbaren Entitäten erfasst, so dass eine Brandschutzklappe beim IFC-Export auch in der dafür vorgesehenen IFC-Klasse „IfcDamper“ und nicht etwa in einer Platzhalter-Klasse wie z.B. „IfcBuildingElementProxy“ exportiert werden kann?
- Wurde in der IFC-Klasse für die spätere Zuordnung zu einer konkreten CAFM-Klasse auch ein eindeutiges Zuordnungskriterium wie z.B. der CAFM-Connect Bauteiltyp-Code oder der DBD-BIMKey mit übergeben, so dass ein Mapping auch dann möglich ist, wenn von buildingSMART (noch) keine korrespondierende IFC-Klasse definiert worden ist?
Zu dieser organisatorischen Komponente kommt nun noch eine Software bedingte, und die wiegt mindestens ebenso schwer.
1 Gebäude, 12 Modelle, 0 Schnittmenge
In der Praxis müssen IFC-Dateien oft zu einem Gesamtmodell – einem Federation Modell – fusioniert werden. In einem Fall wurden uns 12 IFC-Dateien verschiedener Planenden und Gewerke aus unterschiedlichen Autorenwerkzeugen zur Verfügung gestellt. Alles hieß IFC und sah schick aus, aber am Ende waren die Dateien so uneinheitlich, dass sich aus ihnen keine Schnittmenge zum Mergen bestimmen ließ. Woran es lag? Es fing damit an, dass teilweise schon die GUIDs nicht einheitlich waren, so dass die Modelle desselben Gebäudes schlicht nicht zusammengefasst werden konnten. Und das ist nur ein Beispiel von der Oberfläche.
DIN BIM Cloud standarisiert
Das Beispiel zeigt aber auch, wie wesentlich es ist, dass es die DIN BIM Cloud gibt. Sie ist zwar keine Norm, aber letztlich eine de facto Norm, denn immer mehr Verantwortliche nutzen sie als Maßstab und Vorgabe für ihre Datenqualität, und das aus guten Gründen.
„Die DIN BIM Cloud hat mir gezeigt, wie einfach BIM sein kann und ohne sie wäre unser BIM4FM-Projekt nicht so erfolgreich gelaufen“, sagt Christine Proksch, Projektleiterin des BIM-Projektes bei DIN.
Komponentenscharf
Denn mit der DIN BIM Cloud ist es möglich, sämtliche Bauteile komponentenscharf zu verwalten, und zwar inklusive ihrer wichtigsten Attribute.
Die DIN BIM Cloud enthält nicht nur unzählige Daten für Planen und Bauen, sie wurde inzwischen um FM-relevante Merkmale und Attribute erweitert. Die Ergänzung mit weiteren FM-relevanten Daten läuft kontinuierlich weiter und die Aufnahme von Merkmalen und Attributen zum Thema Nachhaltigkeit soll kurzfristig erfolgen.

Für CAFM & AVA
Nicht allein für CAFM, auch für AVA müssen komponentenscharfe Zuordnungen getroffen werden und zwar für die Aufstellung von Bau-Leistungsverzeichnissen (für AVA) und Service-Leistungsverzeichnissen (für CAFM). Denn nur so lassen sich die einzelnen Positionen absolut identisch darstellen, beziffern, berechnen und abgleichen. Lediglich die Schwerpunkte sind unterschiedlich. Liegt der Fokus im CAFM auf den Merkmalen der Technischen Anlagen, so liegt er in AVA-Lösungen auf den Baukosten. Umgekehrt können Kosteninformationen aber auch im CAFM einen großen Nutzen stiften – für die Kostenermittlung auszutauschender Komponenten zum Ersatzzeitpunkt.
Beitrag erfasst von: Dr. Christof Duvenbeck
Dr. Christof Duvenbeck treibt seit 1998 die Entwicklung von CAFM-Systemen voran. Sein in unterschiedlichen Rollen in Entwicklung, Consulting und Vertrieb erworbenes Expertenwissen setzt er ein, um Themen der Digitalen Transformation wie BIM, KI und IoT bis zur Marktreife zu entwickeln und für den Einsatz in der Betriebsphase zu standardisieren. Für die RIB IMS GmbH wagt Christof Neues, um Bewährtes noch besser zu machen und verantwortet die Bereiche Key Accounting und International Sales.


